Pfarrheim "Thal Josaphat"

                                                         

Das Pfarrheim heute

Benutzerordnung  
Die Geschichte
Der Name
Der Bau des Klosters   
Die Wasserversorgung damals   
Spätere Gebäudenutzung  

 

   

Das Pfarrheim

Das Pfarrheim der Kath. Kirchengemeinde St. Marien, Gemeindeteil St. Michael, Wachtendonk befindet sich auf dem Kirchplatz in Wachtendonk in unmittelbarer Nähe der St. Michael-Kirche.

Im ehemaligen Klostergebäude "Thal Josaphat" hat die Zivilgemeinde in dem zum Wall gelegenen Gebäudeteil das Bürgerhaus eingerichtet.

Der zur Kirche gelegene Gebäudeteil des ehemaligen Klostergebäudes "Thal Josaphat" wurde von der Zivilgemeinde an die Kath. Pfarrgemeinde St. Marien, Gemeindeteil St. Michael, verkauft. Die Kirchengemeinde ließ das erworbene Gebäude zu einem Pfarrheim umbauen, das 1981 eröffnet wurde. Ein angebautes Treppenhaus verbindet die Stockwerke miteinander. In dem zum Wall gelegenen Teil des Erdgeschosses ist die Kath. Öffentliche Bücherei - KÖB - untergebracht.

Im diesem Gebäude finden Veranstaltungen der Kath. Pfarrgemeinde statt.

Der schöne Gewölbekeller des Gebäudes wurde zu einer  Begegnungsstätte für die Pfarrgemeinde ausgebaut.
 

 

zurück

         

 

 

 

Die Geschichte des Klostergebäudes zu Wachtendonk

von Josef Jennen

     Die Erbin der Herrlichkeit Wachtendonk, Johanna von Wachtendonk, heiratete im Jahre 1410 den Wilhelm von Jülich, einer der unehelichen Söhne des Herzogs von Jülich und Geldern, Reinald IV. Nach der Verehelichung wurde er für legitim erklärt und durfte sich Wilhelm von Wachtendonk nennen. 

    Johanna und Wilhelm hatten die Absicht, in Wachtendonk ein Kloster für eine männliche Ordensgemeinschaft zu gründen. Doch die Verhandlungen zogen sich in die Länge und inzwischen verstarb Wilhelms junge Gemahlin, ohne Kinder zu hinterlassen. Wilhelm heiratete in 2. Ehe Hermanna von Bronkhorst. Doch den Gedanken der Ordensgründung in Wachtendonk hatte Wilhelm nicht aufgegeben und so traten die Eheleute mit einer weiblichen Ordensgemeinschaft in Verbindung.  

    Dieser Orden lebte nach den Regeln des Hl. Franziskus und hatte im 13. Jahrhundert so einen starken Zulauf, dass man überlegen musste, wie man diesem Zustrom Herr werden könnte. Man gründete den Orden,  der nach der 3. Regel gebildet wurde. Es waren die Tertiarier oder Tertiarierinnen, die als sog. „Dritte Orden“, neben männl. 1. Orden, weibl. 2. Orden, den bestehenden Orden angegliedert wurden. Mitglieder des 3. Ordens waren Mitglieder (Tertiarier), die in der Welt lebten, aber unter der Leitung eines klösterlichen Ordens standen. Wer in Bezug des Glaubens und der Sitte sich verpflichtet fühlte, konnte nach dieser Regel leben die u. a. vorschrieb: tägliche Andachtsübungen, einfache Kleidung, häufige Fastentage, Vermeidung von Lustbarkeiten. Etwa ab dem Jahre 1300 kamen auch die klösterlichen Tertiarier, die sich zum gemeinsamen Klosterlieben entschlossen.

     Für diesen weiblichen Orden der Tertarierinnen ließen Wilhelm von Wachtendonk und seine Gemahlin Hermanna im Jahre 1430  in der Nähe der Stadtmauer ein Kloster bauen, welches sie „Thal Josaphat“ nannten.

zurück

 Wie kamen sie zu dieser Bezeichnung?

      Beim Thal Josaphat, am Ölberg des Heiligen Landes gelegen, hatte sich die Einsiedlerin Pelagia eine Hütte errichtet. Aus dem Fensterchen dieser Hütte konnte sie in das Thal Josaphat blicken. Nach damaliger alter Legende sollte das Thal Josaphat am jüngsten Tag zum Richtplatz werden. Hier wollte die Einsiedlerin Pelagia aus nächster Nähe die liebliche Stimme hören: „Kommet her ihr Gerechten“.  

    Was aber den Wilhelm von Wachtendonk und seiner Gemahlin Hermanna bewogen haben, diesen Namen zu wählen, wird ihr  Geheimnis bleiben.

zurück

 Der Bau des Klosters

     Um den Bauplatz des Klosters zu erhalten, musste das Wohnhaus des Kapellenrektors verlegt werden zu der Stelle, wo heute das Pfarrhaus steht.

    Zunächst übernahmen die Nonnen den Altar in der Kapelle, die damals noch nicht zur Pfarrkirche erhoben war, und der Hl. Jungfrau Maria, den Jungfrauen Katharina und Barbara geweiht war. Diese Heiligen sind heute noch in dem Kirchenfenster abgebildet, welches zur Klosterseite liegt.

    Das Grundstück des Klosters reichte weit bis zur Feldstraße hin, einschl. des heutigen Gartengeländes am Wall und der nächsten Häuser an der Kirchstraße Nr. 6 und Nr. 8.

     Am 21. Nov. 1435 beglaubigte der Offizial des Xantener Archidiakons auf Bitten des Wilhelm von Nordvelt, Priester des Klosters „Thal Josaphat“, die eingereichte Urkunde des Kölner Generalvikars Henr. De Erpel vom 18.08.1430, in der dieser die Gründung eines Frauenklosters nach der Regel des Hl. Franziskus in Wachtendonk, durch Wilhelm von Wachtendonk und seiner Gemahlin Hermanna von Bronkhorst, bestätigt.

Dieser Priester des Klosters "Thal Josaphat" hatte 1434 durch Erbverzicht den Hof Obersittard, in der Pfarrei Geisseren gelegen, zu Gunsten des Klosters weitergegeben.

    Im Jahre 1458 erhielt das Kloster einen eigenen Friedhof innerhalb des Klostergeländes. Die verstorbenen Einwohner Wachtendonks wurden auf dem Friedhof um die im Jahre 1449 zur Pfarrkirche erhobenen Kapelle bestattet.

Die Nonnen erhielten im Jahre 1469 die Genehmigung zum Bau eines auf Balken ruhenden Ganges, der eine Verbindung vom Kloster zur Pfarrkirche „St. Michael“ herstellte. Dieser Gang wurde nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1516 wieder aufgebaut und vom Kloster in das Obergeschoss der angebauten Luciakapelle geführt. Nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1708 war die Luciakapelle stark beschädigt und wurde von der Familie de Cabanes erneut aufgebaut und  dann das "Cabaneschörchen" genannt. Die Nonnen erreichten die Kirche über diesen Gang und nahmen auf einer über der Kapelle befindlichen Empore am Gottesdienst in der Pfarrkirche teil. Diese Empore innerhalb der Pfarrkirche ist erst bei einer Kirchenrenovierung im vergangenen Jahrhundert beseitigt worden.

 

Bei den großen Stadtbränden wurde auch jedes Mal das Klostergebäude stark beschädigt. So mussten die Nonnen von Oktober 1516 bis zum Fronleichnamsfest 1517 außerhalb Wachtendonks Wohnung nehmen. Die Nonnen betrieben im Kloster auch eine Mädchenschule, die von den  Herren der Herrlichkeit Wachtendonk stark gefördert wurde. Nach der Eroberung Wachtendonks im Jahre 1504 durch Truppen des Herzogs von Geldern, unter dem Befehl des Otto Schenk von Nideggen, soll Herzog Karl von Egmond sein Quartier im Nonnenkloster genommen haben. (So Henrichs "Geschichte der Stadt und des Landes Wachtendonk" Seite 3.) Das Kloster wurde im Jahre 1802 auf Befehl der franz. Regierung aufgehoben und die Nonnen kamen zunächst bei Privatleuten unter. Das zum Kloster gehörende Ackerland wurde von der franz. Verwaltung der Rheinlande verkauft. Von den bei Privaten untergekommenen Nonnen wird uns noch im Jahre 1823 die "ex religieuse", wie  diese Nonne bezeichnet wurden, Christine Houben, geb. 11.04.1767 zu Bracht, genannt, die sich als Wollspinnerin ihren Lebensunterhalt in Wachtendonk verdiente.

zurück

Die Wasserversorgung des Klosters

Als Wachtendonk im Jahre 1489 im Besitz des Herzogs von Kleve war, gestattete der Magistrat von Wachtendonk den Bau eines unterirdischen Kanals, der vom Stadtgraben im Südwesten der Stadtmauer bis zum Kloster und zum entgegen gesetzten Punkt, in der Nähe des Feldtores das Wasser in die Niers ableitete. Dieser Kanal war zur Herbeischaffung von Löschwasser gedacht, falls in der Nähe von Kirche und Kloster ein Brand ausbrechen würde. Zur Trinkwasserversorgung war im Klosterhof ein Brunnen angelegt, dessen Pumpe erst nach dem Bau der zentralen Wasserversorgung in Wachtendonk entfernt wurde.

zurück

Gebäudenutzung nach Aufhebung des Klosters

Das Klostergebäude mit dem gesamten Klostergrundstück wurde durch kaiserliches Dekret vom 09.04.1811 und durch Entscheidung des Finanzministers vom 09.11.1811 zum Eigentum der Gemeinde Wachtendonk erklärt.

 

Gendarmerie   Friedensgericht   Gefängnis   Landwehrkommandantur   Elementarschule  

Kaplanei

  Polizeidienerwohnung  

Bürgerhaus

 

Unterirdischer Gang

     

Die Gendarmerie

Nach Auflösung des Klosters wurde es zunächst von den Franzosen als Gendarmerie-Kaserne benutzt. Eine bei den Franzosen übliche Gendarmerie-Brigade "Gens d' armes" quartierte sich mit ihren Pferden ein. Einer dieser Gendarmen heiratet ein Wachtendonker Mädchen und wurde als Schenkwirt hier ansässig.

Diese von den Franzosen eingerichtete Gendarmerie fand nach dem Befreiungskrieg bei den Preußen großes Interesse und man schuf eine ähnliche Gendarmerietruppe. Diese preußische Gendarmerieeinheit wird in Wachtendonk zunächst in Privatquartieren untergebracht, bis einige Räume des Klostergebäudes zur Unterbringung hergerichtet sind. Im Jahre 1820 wurde die preußische Gendarmerie neu geordnet  und die in Wachtendonk stationierte Einheit abgezogen.

Das Friedensgericht

Im Lande Wachtendonk (Geisseren) wurde schon seit Jahrhunderten Gericht gehalten. Auch in der Festung und Stadt Wachtendonk hatte es ein Schöffengericht gegeben.

Im Jahre 1798 wurde von den Franzosen an Stelle des alten Schöffengerichtes die Friedensgerichte eingeführt. Jedes bei der neuen Verwaltungseinteilung errichtete Kanton erhielt ein Friedensgericht. Für das Kanton Wankum wurde Wachtendonk als Sitz des Friedensgerichts bestimmt.

Der Sitzungssaal des Friedensgerichts lag links vom Klostereingang, welcher sich im Innenhof des Klostergebäudes befand und viele Wachtendonker Kinder als Schuleingang kennen lernten.  Im Jahre 1831 beantragte der damalige Friedensrichter die Verlegung des Gerichtseingangs zur Kirchenseite hin, da das Gebäude noch von anderen Einrichtungen genutzt werde und dieses  störend wirken würde. Er wünschte sich den Eingang an die Stelle, wo sich heute der Aufgang zum Pfarrheim befindet. Aus finanziellen Gründen musste man damals von einer Verlegung Abstand nehmen.

Durch Bestrebungen einer Nachbargemeinde, die den Sitz des Friedensgerichts für sich in Anspruch nimmt, findet innerhalb Wachtendonks um das Jahr 1860 eine Verlegung in das Rathaus statt, nachdem man dort neue Büroräume und einen Sitzungssaal geschaffen hatte. Im Erdgeschoß des Rathauses waren bisher die Feuerwehrspritzen und Gerätschaften gelagert. Im Jahre 1857 hatte man an den Wirtschaftsgebäudetrakt des Klosters einen Feuerwehrgeräteschuppen und Toilettenanlagen für die Schule gebaut, ebenfalls einen Durchgang vom Klosterhof zum Wall. Dieser im Jahre 1857 erbaute Feuerwehrschuppen wurde noch um 1935 von der Feuerwehr genutzt.

Da nun das Friedensgericht zum Rathaus verlegt worden war, wurde das Büro des Bürgermeisters und des Sekretärs in das Klostergebäude verlegt.

Das Gefängnis

In früheren Zeiten hatte man die Gefangenen in den Festungstürmen untergebracht. Nach Schleifung der Festung geschah dieses in den Kellerräumen des Pulverturms. Während der Zeit der franz. Besatzung wird auch schon ein Gefängniswärter genannt. Aber erst im Jahr 1811 wird ein Gefängnisneubau geplant, der im Jahre 1812 als Anbau am Klostergebäude ausgeführt wird. Es war dort, wo  der Treppenhausneubau des Pfarrheims errichtet wurde. Die Kosten des Gefängnisneubaus wurden auf alle Gemeinden des Kantons Wankum nach der Einwohnerzahl umgelegt. Diese Gefängnis wurde als sicherstes Gefängnis am Niederrhein bezeichnet und diente in der Regel für einen Aufenthalt der Gefangenen von wenigen Tagen, weil dann eine Verlegung zum Gelderner Gefängnis vorgenommen wurde. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor das Gefängnis immer mehr an Bedeutung, zumal durch die Neuordnung der Justiz das Friedensgericht aufgelöst worden war. Im Jahre 1904 wurde das Gefängnis abgebrochen, um einen Bauplatz zum Anbau eines Klassenzimmers für die Schule zu gewinnen. Zuerst hatte man geplant, einen Umbau des Gefängnisses vorzunehmen und ein Obergeschoss aufzusetzen, um 2 Klassenräume zu erhalten.

Landwehrkommandantur

Im Obergeschoss des Klostergebäudes war der Bezirksfeldwebel der Landwehr mit einem Gefreiten untergebracht, die für den reibungslosen Dienstbetrieb der Landwehrsoldaten verantwortlich waren. Als Bezirksfeldwebel wird uns ein Feldwebel Aengenheyster genannte, der nach seiner Pensionierung noch bis zum Jahre 1864 die Betreuung der Wachtendonker Straßenbeleuchtung übernommen hat.

Die Aufgabe des Bezirksfeldwebels und des Gefreiten war die Betreuung der Landwehrmänner, die sich an Sonntagvormittagen zu regelmäßigen Geländeübungen in der Wankumer Heide versammeln mussten und an einem Wochentag eine theoretische Unterweisung erhielten. Im Jahre 1840 wurde diese Dienststelle aus dem Klostergebäude verlegt und im Jahre 1851 ganz nach Kempen verlegt. Aus den vom Bezirksfeldwebel benutzten Räumen entstand die Dienstwohnung des ersten Lehrers der Volksschule.

Die Elementarschule

Vor dem jetzigen Haus Klosterstraße 7 stand ein kleines Gebäude, in dem bis zum Jahre 1821 die Kinder Wachtendonks lesen und schreiben lernten. (Wenn die Eltern in der Lage waren, dieses zu bezahlen.) Hier unterrichtete der am 20. Januar 1749 zu Arcen geborene Johann Fleuren 60 Kinder. Den Umzug der Schule in das Klostergebäude und die Einführung der Schulpflicht konnte er nicht mehr erleben, da er am 15. Januar 1820 starb. Sein Nachfolger wurde der 45 Jahre alte Friedrich Nievenheim, der bisher in Hüls unterrichtet hatte. Dieser Nievenheim konnte aus gesundheitlichen Gründen ab 1827 keinen Vollunterricht mehr erteilen und erhielt als Gehilfen  Lehrer Orth.  Die Kinderzahl wurde jetzt in zwei Abteilungen eingeteilt und unterrichtet. Doch Orth kann eine Voll-Lehrerstelle erhalten und verlässt Wachtendonk. Die Stadtschule übernimmt jetzt  Lehrer Tüffers und Nievenheim geht zur Gelinterschule, da er dort eine kleinere Kinderzahl unterrichten musste. Im Jahre 1837 übernimmt Lehrer Haesters die Stadtschule und bleibt dort bis zum Jahre 1843. Jetzt wird die Stelle von Lehrer Friedrich Vieter übernommen, der hier bis zum Jahre 1891 unterrichtete. Fast alle um die Jahrhundertwende lebenden Bürger hatten einst bei Lehrer Vieter Unterricht erhalten.

Im Jahre 1854 plant man, einen Teil der Schule aus dem Obergeschoss in das Erdgeschoss zu verlegen. Dazu sollte ein weiterer Klassenraum gewonnen werden.  Im Jahre 1857 ist es dann soweit, dass ein weiteres Schulzimmer geschaffen worden ist. Im Obergeschoss werden 118 Kinder und im Untergeschoss 120 Kinder unterrichtet. Es ist der Teil des Gebäudes, wo sich heute die Schrankwand des Pfarrsaales befindet.

In den Anfängen der Schulpflicht wurde die Schule nicht regelmäßig  von den Kindern besucht, da verschiedene Kinder, besonders im Sommer, zu häuslichen Arbeiten, zur Mithilfe im Gewerbe und zum Viehhüten herangezogen wurden. In Kriegszeiten machte sich dieses besonders bemerkbar, wenn es an Arbeitskräften fehlte. Nach Erreichung des 12. Lebensjahres sollte nach Möglichkeit eine Dispensierung abgelehnt werden, damit die Kinder das Endziel der Schulausbildung erreichten.

Im Jahre 1862 wird der Turnunterricht eingeführt, der auf dem Spielplatz abgehalten werden muss. Der Spielplatz ist nicht besonders groß, da im Klosterhof auch noch der Dienstgarten des Lehrer liegt.

Ab dem Jahre 1902 besuchen die schulpflichtigen Kinder des neu eingerichteten Waisenhauses "St. Josef-Stift" die Stadtschule, wodurch die Zahl der Schulkinder steigt. Da zuvor schon Platzmangel bestanden hatte, überlegt man eine weitere Lösungsmöglichkeit. Im Jahre 1905 wird das im Jahre 1812 erbaute Kantongefängnis abgebrochen und an dieser Stelle ein Klassenzimmer angebaut. Von jetzt an hat sich am baulichen Zustand der Schule bis zur Aufgabe des Schulgebäudes nichts mehr geändert.

Im Jahre 1906 wird versuchsweise eine Fortbildungsschule für die aus der Volksschule entlassenen Knaben eingerichtet. Dieses Schulsystem wurde durch das im Jahre 1935 eingerichtete Berufsschulsystem abgelöst .

Die Kath. Volksschule im ehemaligen Klostergebäude bestand hier bis zum  Neubau der Michaelschule an der Moorenstraße. Anschließend wurden noch einige Räume durch die nach dem 2. Weltkrieg gebildete Evangel. Volksschule genutzt, bis die Eichendorffschule an der Wankumer Straße gebaut wurde.

Ein Teil der Räume wurde zeitweilig für gewerbliche Zwecke genutzt und andere Teile zu Wohnungen umgebaut. Das im Jahre 1905 erbaute 5. Klassenzimmer wurde wieder abgebrochen sowie der im Jahr 1857 erbaute Feuerwehrschuppen und die gesamten Toiletteanlagen.

Polizeidienstwohnung

In dem Wirtschaftsgebäudeteil, mit dem Eingang zum Wall, war die Dienstwohnung des Polizeidieners untergebracht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als der damalige Polizeidiener ein eigenes Haus in Wachtendonk erwarb, wurde diese Wohnung als Mietwohnung genutzt, deren Mieteinnahmen dem Polizeidiener zustanden. Als nach der Pensionierung des Polizeidieners eine Neueinstellung erfolge musste, wurde im Jahre 1926 eine neue Polizeidienstwohnung geschaffen. Zu diesem Zweck baute man den ehemaligen Scheunenteil des Wirtschaftsgebäudes, am Wall gelegen, zu einer Wohnung um und installierte gleichzeitig die Zentralschaltung der Straßenbeleuchtung in dieses Gebäude. Ebenfalls schuf man neben der Wohnung einen Trakt mit Arrestzellen für Nichtsesshafte und Inhaftierte.

Dieser ganze Wirtschaftsgebäudeteil, in dem mehrere Wohnungen vorhanden waren, wurde am Pfingstmorgen im Jahre 1987 ein Raub der Flammen. Nach Wiederaufbau und Errichtung von zwei Seniorenwohnungen konnte dieser Gebäudeteil im Sommer des Jahres 1988 bezogen werden.

Während der Zeit des 3. Reiches waren im Wirtschaftsgebäudeteil des ehem. Klosters einige Räume mit Dienststellen der Hitler-Jugend und der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt belegt. Diese Räume wurden nach dem 2. Weltkrieg wieder zu Wohnräumen umfunktioniert.

Die Kaplanei

Im Gartengelände des ehemaligen Klosterbereiches wurde, nach den im Jahre 1826 durch den damaligen Communal-Baucondukteurs Westermann erstellten Plänen, eine Kaplanei erbaut. Wegen der noch vorhandenen ungetilgten Kriegsschulen, die fast auf allen Gemeinden des Rheinlandes lasteten, konnte noch nicht mit dem Bau begonnen werden. Das Grundstück, an der Ringmauer des ehemaligen Klosters gelegen, eignete sich sehr gut für dieses Vorhaben, da es in nächster Nähe der Kirche lag. Dieser Garten, in dem die Kaplanei gebaut werden sollte, war durch abgebrochene Klosternebengebäude und einem Teil des Klosterhofes entstanden. Das Bischöfliche Kommissariat zu Xanten hatte die Zivilgemeinde gebeten, Kaplan Brons eine Wohnung zu beschaffen. Dieses war nach den zu damaliger Zeit geltenden Bestimmungen Aufgabe der Zivilgemeinde. Das Baumaterial sollte durch die Gemeinde besorgt werden. Der Kostenanschlag von Herrn Westermann belief sich für die Erstellung des Gebäudes auf 1574 Taler. Am 05. Mai 1828 wurde wurde die erstellte Planung zur Ausführung an den "Wenigstfordernden" vergeben. Peter Johann Pasch aus Wankum wurde mit der Ausführung beauftragt, da er mit 785 Taler der "Wenigstfordernde" geblieben war. Doch da er selbst kein qualifizierter Handwerker war, musste er für die fachgerechte Ausführung einen qualifizierten Handwerker als Bürge bringen. Die Bauarbeiten, im Winter 1828/29 ausgeführt, hatten erhebliche Frostschäden aufzuweisen und durch deren Beseitigung verzögerte sich die Fertigstellung bis Ostern 1830.

Das Bürgerhaus

Dieses Bürgerhaus, zum größten Teil im Gebäude des ehem. Klosterrektors, Richrad'sches Haus" genannt, untergebracht, wurde nach der Klosterauflösung bis etwa 1864 als Schenkwirtschaft genutzt. Dann fand ein Umbau des Erdgeschosses zu zwei Klassenzimmern statt. Das Obergeschoss wurde für Lehrerdienstwohnungen umgebaut. Nach Verlegung der Volksschule wurden die Dienstwohnungen der Lehrer als Mietwohnungen genutzt und die einst geschaffenen Klassenzimmer zu Wohnzwecken umgebaut.

Nach dem Wiederaufbau des im Jahre 1987 abgebrannten Gebäudeteils konnten die letzten Mieter das "Richrad'sche Haus" verlassen und es begann sofort der Umbau zum Bürgerhaus. In dem zur Klosterstraße gelegenen Teil des Erdgeschosses ist die Kath. Öffentliche Bücherei - KÖB - untergebracht.

Das Märchen vom "unterirdischen Gang"

Es gab keinen unterirdischen Gang in Wachtendonk. Schon allein wegen der Grundwasserverhältnisse in Wachtendonk war es nicht möglich, mit den vorhandenen Baumaterialien solche Gänge  zu bauen. Wenn man schon aus diesen Gründen die Hauskeller nicht zu tief in den Boden legte, so entstanden in den Häusern, wo Keller vorhanden waren, die so genannten "Kellerkammern", was eine Verschiebung der Geschoßhöhe zur Folge hatte. Die Gewölbekeller hatten als Fußboden im Höchstfall einen Ziegelsteinbelag, der das Grundwasser nicht abhalten konnte. An der tiefsten Stelle des Kellers hatte man ein Schöpfloch eingebaut, um bei auftretendem Grundwasser das Wasser ausschöpfen zu können. die Keller hatten gewöhnlich einen Lehmfußboden, der auch in vielen Küchen der Häuser vorhanden war.

Der nicht nur von den Bürgern sondern auch in der Schule von den Lehrern bezeichnete "unterirdische Gang" war ein aus Holzbohlen gebauter  Wasserkanal. Wie oben beschrieben, wurde er mit  Genehmigung des Herzogs von Kleve erbaut. Er führte das Frischwasser vom Stadtgraben, in der Nähe des Hauses Wachtendonk (Hoff) zum Kloster Thal Josaphat. Hier war eine offene Wasserstelle, die von den Nonnen des Klosters genutzt wurde, aber auch bei Bränden zum Schöpfen des Wassers genutzt wurde.  Vom Kloster aus ging die Abflussleitung bis zur Niers am Feldtor. Bei den Bauarbeiten für die Kanalisation nach dem 2. Weltkrieg stieß man an der Stelle vor dem ehemaligen Feldtor auf diese alten Bohlenkanalisation.

zurück